Sarhan Sakalli, 37 Jahre kommt aus Niederroßbach/Westerwald (in der Nähe von Rennerod) und ist seit knapp 6 Jahren bei der DB Cargo AG. Ich habe in ihm einen offenen und fröhlichen Kollegen kennengelernt. Schaut mit uns in seine Story, wie er Gott in seinem Leben erlebt hat.
Wie man aufgrund seines Namens erahnen kann, stammt Sarhan aus einer türkischen Familie. Seine Eltern kamen in den 70er Jahren aus der Großstadt Istanbul nach Deutschland. Sarhan ist in Kirchen/Sieg geboren und wuchs im kleinen Städtchen Daaden in einer türkischen und deutschen Kultur zugleich auf. Seine Eltern waren durch eine offene Haltung geprägt und integrierten sich gut in ihrer neuen Heimat. Ebenso selbstverständlich ist die Familie auch muslimisch, was vor allem an den Feiertagen ausgelebt wurde.
Was für einen Sinn hat das alles?
Sarhan steckte mitten in der Sturm- und Drang-Phase. Mit Mitte 20 trieben ihn gleichzeitig auch viele Fragen um: Was ist der Sinn des Lebens? Warum bin ich geboren? Warum ist alles so, wie es ist? Er suchte und las im Koran, aber seine Fragen blieben offen. Er konnte dort keine Antworten finden. Innerlich war er unruhig und fragend. «Ich war auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich wusste, dass es irgendwo einen Gott gibt – aber wer ist er, wie ist er?» Auf seiner Suche las er auch Horoskope, in der Hoffnung, dort eine Wegweisung zu erhalten. Eines Tages, als Sarhan mal wieder zu seinem Frisör ging, sah er dort einen Kalender mit dem Titel: «Die Gute Saat». Und da «Saat» auf Türkisch «Zeit» heißt, dachte er: «Wow, das lese ich jetzt!». Es gab einen kleinen Text pro Tag, der aktuelle enthielt den Bibelvers aus Psalm 50,15: «Rufe mich an am Tag der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich ehren!». Er las den Text und war tief getroffen: Woher kennt dieser Schreiber denn mein Leben? – Das, was er las, traf haarscharf in seine Lebenssituation mit all seinen Fragen nach dem Sinn. Dieses Bibelwort fiel tatsächlich wie eine Saat in sein Herz und er fragte sich: «Was ist das für ein Zauberbuch?» Nach ein paar Tagen ging er wieder hin und auch die nächste Kalenderandacht sprach ihn weiter an.


Die radikale Wende
Über einen Bekannten hatte er dessen Schwester, eine nette junge Frau namens Damaris kennengelernt. Gemeinsam mit ihr fing Sarhan an, die Bibel zu lesen und sich damit zu beschäftigen, da er gar kein Wissen über den christlichen Glauben hatte. Als erstes nahmen sie sich das Buch der Sprüche vor. Dadurch war Sarhan klar, dass er ein Sünder und verloren ist und Rettung braucht. Er ging in eine Gesprächsgruppe, die sich im Wohnzimmer bei Bekannten traf, ein sogenannter Hauskreis. Dort fiel das Wort «Evangelium». Als Sarhan zu Hause danach gegoogelt hatte, stieß er auf ein Youtube-Hörbuch, welches er in der darauffolgenden Zeit abends Stück für Stück anhörte. Er realisierte immer mehr, woraus diese gute Botschaft besteht und fing an, den Herrn Jesus, Gottes Sohn, kennenzulernen. Das war genau das, was er suchte! «Ich habe den Sinn und Erfüllung des Lebens dort erkannt, die Vergebung meiner Schuld. Ich merkte: dieser Jesus will auch mein Herr, mein Erlöser sein. Er ist am Kreuz für mich gestorben. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben und man kann nur durch ihn zu Gott kommen.» Sarhan beschloss, sich ganz auf Jesus einzulassen und seine Verheißungen für sich in Anspruch zu nehmen. «So habe ich mich vor 11 Jahren zu Gott bekehrt – das war eine radikale Wende in meinem Leben. Seitdem habe ich wahren Frieden im Herzen, den mir keine andere Freude dieser Welt geben kann – egal, in welchen Umständen ich mich befinde. Ich würde keinen anderen Weg in meinem Leben mehr einschlagen wollen. In diesem Moment war mir nur dieses eine wichtig: Ich habe die Erfüllung gefunden – meinen Jesus!» Was andere dazu dachten, war ihm egal. Seine Freundin Damaris war erstaunlicherweise nicht so Feuer und Flamme, obwohl sie doch eine christliche Prägung hatte und Sarhan ihre Überzeugung nahegebracht hatte. So lernte Sarhan immer besser seinen Gott kennen und steckte damit Damaris neu an, ihr Leben durch Jesus neu zu ordnen. Gemeinsam ließen sie sich taufen. Nicht viel später heirateten die beiden. Inzwischen haben sie drei Kinder.
Und was sagt die Familie?
Für seine große Familie war diese Entwicklung nicht verständlich. Die muslimische Religion zu verlassen, bringt aus deren Sicht den Eltern die maximale Schande. Das ist ein absolutes No-Go! Bei einem offenen Gespräch mit seinen Eltern eröffnete Sarhan ihnen, dass er Christ geworden war und erklärte ihnen, warum Jesus alles für ihn bedeutet. «Leider haben sie sich selbst NOCH nicht auf den christlichen Glauben eingelassen, aber sie sahen die positive Veränderung bei mir, nachdem ich Christ geworden war.» Sarhan hat heute zu den meisten aus der Familie keinen Kontakt mehr, aber immerhin zu seinen Eltern und seinen beiden Schwestern. Doch Jesus ist sein Halt, gerade in schweren Situationen. «Gott hat es so gemacht, dass ich nur auf ihn geschaut habe und nicht auf das, was andere Menschen – Familie, Freunde – von mir denken. Gott hat eine Schutzmauer um mich gebaut, auch wenn ich teilweise bedroht wurde, wenn ich für meinen Glauben einstand und diese Werte lebte. Gott gibt mir bis heute Tag für Tag die Kraft.» Die Christen in Sarhans Umfeld sind für ihn eine neue große Familie geworden, die Gott ihm geschenkt hat.
Von Gottes Liebe begeistert!
Am Anfang las er bis zu 40 Kapitel täglich in der Bibel. Er konnte gar nicht genug von seiner neuen geistlichen Nahrung bekommen. Sarhan war überwältigt von der Weisheit und dem Schatz, den Gott uns in der Bibel mitgegeben hat. Die starke Beschäftigung mit Gottes Wort prägt ihn immer mehr, und Gott verändert sein Wesen und seinen Charakter mehr und mehr ins Positive. Nachdem ein Hauskreis, den er und seine Frau in der eigenen Wohnung aufgemacht haben, zu groß für die junge Familie wurde, schlossen sie sich einer christlichen Gemeinde im Nachbarort an, wo sie auch von erfahrenen Christen lernen konnten. Vor vier Jahren sind sie dann nach Niederroßbach umgezogen. Hier haben sie mit anderen Christen gemeinsam eine neue christliche Gemeinde gegründet, die Sarhan ehrenamtlich betreut und leitet. Inzwischen sind viele Familien dazugekommen.
Quereinsteiger bei der Bahn
Sarhan hatte eine Ausbildung und einige Jahre Berufserfahrung als Metallbauer (Teilezurichter). In der Wirtschaftskrise verlor er den Job und versuchte sich in verschiedenen Firmen, von Security bis Staubsaugervertreter und am Schluss wieder im gelernten Beruf. Der Schichtdienst war aber ziemlich familien- und gemeindeunfreundlich. Im Internet wurde er auf die Bahn aufmerksam und bewarb sich als Lokrangierführer. Diese Stelle bekam er zwar nicht, aber eine als Wagenmeister. Das passte viel besser zu ihm und seiner beruflichen Herkunft. Als Wagenmeister ist er für die Sicherheit und den technischen Zustand von Güterwagen und Zügen verantwortlich. So konnte er nach der Ausbildung zum Wagenmeister in Kreuztal bei DB Cargo anfangen. Nach einigen Anpassungsfortbildungen wechselte er vor gut 2 Jahren in das Qualifizierungscenter (QC) in Köln. Dort ist er tätig als Ausbilder und Praxistrainer in der Fachrichtung Wagentechnik. Das bedeutet auch teilweise, die Kurse an anderen Standorten zu halten.
Die Abwechslung und der Umgang mit Menschen machen Sarhan viel Freude. Im persönlichen Auftreten und im Kontakt mit den Kollegen vertritt er die Werte des christlichen Glaubens, auch wenn im Berufsumfeld der Schwerpunkt natürlich auf den Schulungsinhalten liegt.