Bunte Karten für die Bahn

© Viktor Boschmann

Bei der Bahn gibt es eine riesige Vielfalt an Berufen. Hanna Kimpel leitet als Dipl-Ing (FH) für Kartographie bei der DB InfraGo – früher DB Netz – die Organisationseinheit «Visualisierung und Kartographie». Seit einigen Jahren ist auch das Team «Streckendaten» bei ihr angesiedelt. Sie kümmert sich also um Karten und Geodaten. Hanna ist Ende 50, seit gut zehn Jahren verheiratet und wohnt mit ihrem Mann in Bischofsheim (zw. Rüsselsheim und Mainz).

Hanna, wenn ich sage, Karten sind dein täglich Brot, stimmt das?

Ja, ich beschäftige mich tatsächlich dienstlich vor allem mit Karten bzw. Geodaten. Darüber hinaus erkläre ich oft – als «Data Owner» den Nutzern unsere Daten und deren Zusammenhänge oder setze mich mit Definitionen unserer Daten auseinander. Unser wahrscheinlich bekanntestes Produkt hängt als Übersichtkarte in Fernverkehrszügen.

Gibt es eigentlich ein «Google Maps» für die Eisenbahn? Und, wo finde ich das?

Ja, das «Google Maps für die Eisenbahn» ist ein Teil unserer digitalen Produkte, zum Beispiel der InfraMaps-Basisviewer, den du im DB-Konzern intern bestellen kannst (im System Debi). Auch außerhalb des Konzerns kann man unsere Daten in der «interaktiven Karte» des Infrastrukturregisters (ISR) sehen. Die Grunddaten dieser Viewer entstehen bei uns.

Das sind ja wichtige Informationen. Könnte ohne euch überhaupt ein Zug fahren?

Die Züge können ganz gut ohne unsere Geodaten fahren, da die Fahrplanerstellung in anderen Systemen arbeitet. Aber auch sie könnten z.B. nicht ohne unsere Streckennummer, die bei uns in den Streckendaten definiert wird, arbeiten. Das nennt sich «Ordnungsrahmen Strecke»: die im Fahrplan verwendete Streckennummer wird ausschließlich durch uns vergeben.

Wofür werden eure Daten denn sonst gebraucht?

Im Prinzip überall – die Daten gehen in verschiedene Systeme ein, werden für Webseiten und Apps verwendet, ob im Umfeld von Messzügen oder für die Daten, die wir als DB InfraGO an den Bund für die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung liefern müssen. Im Konzern fällt mir spontan die Verwendung im Reisenden-Informationssystem oder beim Vegetationsrückschnitt ein. Ein wichtiger Bereich ist auch die das Notfallmanagement und alles, was dazugehört. Anhand der Geodaten kann in der Notfallleitstelle schnell der Ereignisort und die zuständigen Stellen gefunden werden, der Notfallmanager hat die wichtigsten Daten im Navi oder auf dem Handy und die Länder werden mit Karten und Daten versorgt, sodass sie unseren Kilometer finden können und über Bauwerke, z.B. Lärmschutzwände informiert sind.

Erzähle uns über deinen Werdegang bei der Bahn, wie kamst du dazu?

Zunächst habe ich an der Fachhochschule Karlsruhe Kartographie studiert – ich mochte Karten. Damals war der Computer noch das Arbeitsmittel der Zukunft. Ich habe also noch gelernt, Karten manuell, ja handwerklich zu erstellen. Nach meinem Studium habe ich im März 1993 in der zentralen Kartenstelle der Deutschen Bundesbahn angefangen. Meine Aufgabe in den ersten Jahren war die Kartenredaktion, also Informationsgewinnung und Detailentwürfe z.B. bei größeren Umbauten. Später habe ich mich in die Digitalisierung und Geoinformationssysteme eingearbeitet, vor allem durch die Anforderungen der Notfallleitsstellen. 20 Jahre nach meinem Start bei der Bahn durfte ich in Führungsverantwortung gehen und leite seither die Organisationseinheit «Visualisierung und Kartographie». Meine 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sitzen in ganz Deutschland verteilt und arbeiten überwiegend im HomeOffice.

Seit 2020 sind wir mit unseren Karten und Daten in ein großes neueres Geoinformationssystem (GIS) gerückt, mit dem wir Karten in verschiedenen Maßstäben und Themen bzw. Schwerpunkten erstellen. Unsere Produkte gehen von der klassischen Übersichtskarte (gedruckt oder als PDF) bis zu digitalen Formen wie Viewer und Datenlieferungen. Ein GIS bedeutet auch, dass die Daten mit Attributen angereichert oder verknüpft sind und sozusagen intelligent sind. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Digitalisierung. In diesem Jahr wollen wir in Kooperation mit einem Verlag einen DB-Eisenbahnatlas mit unserem Kartenwerk herausbringen.

Was ist dir in deiner Tatigkeit als Führungskraft wichtig?

Da ich mit meiner recht «produktiven» Abteilung die entsprechenden Ergebnisse verantworte, versuche ich sowohl die Abläufe als auch die Mitarbeitenden selber zu unterstützen. Das geht von Abstimmung mit den Teamleitern, die die Teams steuern, bis zu Abstimmungen und praktischer Wissensvermittlung, wo dies sinnvoll ist. Ich sehe uns als ein zusammenarbeitendes Team, zu dem auch ich gehöre. Authentisch und ehrlich zu sein, ist hier das Wichtigste, ebenso wie die Wertschätzung von jeder einzelnen Person.

Spielt dein Christsein eine Rolle im Umgang mit deinen Mitarbeitenden?

Ich denke schon, auch wenn das nicht wie der Belag auf dem Brot liegt, sondern eher die Basis, die grundsätzliche Haltung betrifft: eben jede Person zu fördern und so anzunehmen, wie sie ist, ehrlich und fair miteinander umzugehen, auch wenn es nicht unbedingt zu meinem persönlichen Vorteil dient.

Was sind deine grosten Herausforderungen für dich in der täglichen Arbeit?

Mein Alltag beinhaltet viele verschiedene Aufgaben. Das macht mir grundsätzlich Spaß, bringt aber auch große Herausforderungen mit sich: gleichzeitig die verschiedensten Aufgaben und Projekte voranzubringen, und auch für seine Leute da zu sein, wie sie es brauchen. Zusätzlich merke ich oft den Stress durch die dicht aufeinanderfolgenden virtuellen Meetings. Da gilt es, Achtsamkeit auch gegen sich selbst zu üben. Ein wenig kann ich durch reduzierte Arbeitszeit abfangen, und ich hoffe, dadurch für mich selber in ein besseres Gleichgewicht zu kommen.

Was sind deine Wünsche und Erwartungen für dich, die Deutsche Bahn für die nächsten Jahre?

Ich wünsche der Bahn und allen Konzernfirmen, dass sie die großen Herausforderungen des gestiegenen Bahnverkehrs und der zu sanierenden Infrastruktur gleichzeitig mitarbeiterfreundlich und doch effizient organisiert bekommt – und Deutschland eine Politik, die langfristig zur Bahn und deren Finanzierung steht! Meine beruflichen Ziele drehen sich aber eher um eine gute Wissensübergabe in den nächsten Jahren, damit die DB auch ohne und nach mir noch «mit guten Karten» unterwegs ist.

Hanna, du bist seit 1994 bei RailHope, leitest inzwischen seit einigen Jahren bei RailHope die Redaktionsarbeit. Wann und wie bist du eigentlich zum Glauben an Jesus Christus gekommen?

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der der Glaube an Jesus eine große Rolle spielte, aber klar war immer, dass jeder selbst entscheiden muss, ob er mit Gott leben möchte. Ich habe diese Entscheidung mit 12 Jahren getroffen, weil ich mit Jesus unterwegs sein wollte. Da das Leben mit Jesus eine Beziehung zu ihm ist, war dies auch für mich als Erwachsene immer wichtig. Übrigens: auch als Schüler und Student war ich in kleinen christlichen Gruppen direkt in der Schule/Fachhochschule. Das hat mit RailHope eine Fortsetzung bekommen – eine Ermutigung, meinen Glauben auch im Alltag zu leben.

Hast du einen Lieblingsvers aus der Bibel?

Die Frage nach dem Lieblingsvers finde ich schwierig – es stehen einfach so viele geniale Dinge in der Bibel! Aber was mich immer wieder anspricht, ist wie überreich wir beschenkt werden:

«Jesus sagt: Ich bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken.» (Johannes 10,10)

Und was wünschst du dir für RailHope?

RailHope wünsche ich viele neue, auch junge Kollegen und eine ermutigende Vernetzung der Christen auch weiterhin! Ich selber will mich da gerne noch weiter einbringen.

Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit?

In der Zeit die mir neben der ehrenamtlichen Arbeit bei RailHope noch bleibt, engagiere ich mich in einer Freikirche mit Kindergruppen und dem Erstellen des Gemeindebriefes. Im Urlaub verreisen wir gerne in die Natur, je nachdem sind wir z.B. mit dem Camperbus, dem Fahrrad oder Kanu unterwegs.

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