Holger Koriath, 54, arbeitet bei der DB InfraGOZentrale am Standort München und betreibt das ≪Anlagen- und Life Cycle Management≫ zusammen mit seinem Team und in crossfunktionaler Zusammenarbeit mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen. Erfahre, was diese Begriffe bedeuten und was ihn als Führungskraft und als Mensch bewegt.
Holger, kannst du uns deinen Aufgabenbereich beschreiben?
Ich beschäftige mich mit dem Thema Kosten und Verfügbarkeit am Fahrweg. Wir versuchen, möglichst zielgenau die richtige Instandhaltungsmaßnahme zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Anlage einzuplanen und die Umsetzung voranzutreiben, sodass die Verfügbarkeit der Anlagen möglichst hoch ist und wir für den eingesetzten Euro die höchstmögliche betriebliche Qualität bekommen. Die Modelle und Berechnungen haben wir mit dem Gewerk Fahrbahn begonnen, vor einigen Jahren kam dann noch die Leit- und Sicherungstechnik und die Bahnübergänge dazu, so dass wir nun eine gewerkeübergreifende integrierte ualitäts- und Präventionsplanung haben.
Wie funktioniert denn dieses Anlagen- und Life Cycle Management?
Im Kern wird der technische Bedarf möglichst genau ermittelt. Die Basis dafür sind sog. «RAM-Modell» (RAM: Englisch für Zuverlässig-/haltbarkeit). In Analysen werden die verschiedenen technischen Komponenten betrachtet: Welche Komponenten sorgen für einen Ausfall, wie schwer wirkt sich dieser auf den Betrieb aus? Außerdem bewerten wir, wie gut die Wirkungen einer vorbeugenden Maßnahme ist. Aus diesen Erkenntnissen bilden meine Mitarbeiter sogenannte zentrale Planungsvorschläge für die Instandhaltung. Mit dieser Methodik kann man sehr systematisch Vorschläge erarbeiten, die dann an die regionalen Kollegen der Netze übergeben werden. Mit ihrer Kompetenz vor Ort bringen sie noch Anpassungen ein. So erhalten wir einen realistischen Plan mit einer guten Wirkung, der den ausgereichten Mitteln erreichbare Qualitätsziele gegenüberstellt. Das Ganze ist auch gerecht, denn wer mehr bekommt, hat auch höhere Qualitätsziele und umgekehrt.
Da habt ihr mit vielen Bahn-Kollegen zu tun. Was ist dir in der Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen wichtig?
Die große Frage, wie wir miteinander umgehen, ist da entscheidend. Wie geht «die Zentrale» mit den regionalen Stellen und Kollegen um? Dieses Zusammenspiel hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, weil eine hohe Transparenz da ist. Wir erklären unsere Modelle immer sehr genau, damit Verständnis entsteht und sind dankbar über Feedback und Verbesserungsvorschläge. Dass unsere Modelle sich als gute Modelle erwiesen haben und auch sehr unterschiedlich von anderen genutzt werden, macht mich ein wenig stolz.
Ihr seid also mit eurer präventiven Instandhaltungsplanung immer etwas der Zeit voraus …
Ja, und das zeigt sich in einem zweiten Bereich, mit dem wir uns beschäftigen, noch stärker. Es ist das Thema der Prognosemodelle. In unseren Datensystem haben wir mittlerweile lange Messreihen über viele Jahre. Zum Beispiel beim Thema Gleislage können wir daher prognostizieren, wann eine Abweichung einen Grenzwert überschreitet. Dadurch kann frühzeitig eine Instandhaltungsmaßnahme eingeleitet werden, um beispielsweise Geschwindigkeitseinschränkungen zu vermeiden.
Bist du eigentlich schon langer bei der Bahn?
Ich bin in Bad Pyrmont im Weserbergland aufgewachsen und habe in Hannover Bauingenieurwesen mit der Vertiefung Eisenbahnwesen studiert. 1997 habe ich im Forschungs- und Technologiezentrum in Minden/Westfalen bei der DB angefangen. Nach zwei Jahren bin ich dann nach München gekommen und begann, mich mit dem Thema zu befassen, wie man die Verfügbarkeit und die Kosten des Fahrwegs in den Griff bekommen kann. Das Thema hat sich wie ein roter Faden bis heute durch mein ganzes Arbeitsleben gezogen. Es ist aber auch noch viel zu tun, da der Blick auf den Life Cycle auch unter den gegebenen Randbedingungen leider bis heute nicht immer handlungsleitend dafür ist, was wir im Bereich der Anlagen tun …
Warum bist du gerne Führungskraft und welche Herausforderungen hast du da?
Ich bin sehr gerne Führungskraft und es macht mir Freude, wenn das Miteinander mit den Mitarbeitenden Hand in Hand geht. Das heißt, man schmiedet gemeinsam Pläne, entwickelt gemeinsam Ziele, und man sieht und spürt, wie an den Themen gearbeitet wird. Und das nicht nur in guten Zeiten, sondern auch, wenn es manchmal schwierig ist. Herausgefordert bin ich, wenn ich das Gefühl habe, dass es keine Offenheit gibt. Für mich findet das Zusammenspiel zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden stark auf der Beziehungsebene statt. Wenn es nicht gut läuft, sind es oft Dinge, die nicht primär mit dem Fachlichen zusammenhängen. Eine weitere Herausforderung, die meines Erachtens wächst, sind psychische Belastungen. Ich habe – auch durch persönliches Erleben in meiner Familie – ein grundlegendes Verständnis dafür gewonnen, dass die Ursachen oft nicht auf der Hand liegen. Aber wie im Umgang mit anderen Erkrankungen, muss man auch hier Klarheit finden, wie man damit umgeht.


Was ist dir im Umgang mit den Mitarbeitern wichtig?
Neben der Beziehungsebene finde ich den persönlichen Austausch wichtig – nicht nur rein fachlich, sondern auch darüber hinaus. Das kommt oft zu kurz. Leider treffen wir uns viel zu oft nur noch online. Das persönliche Treffen findet zu selten statt. Zudem hat die Digitalisierung zu einer deutlichen Arbeitsverdichtung beigetragen, die das Problem zusätzlich vergrößert. Vorher habe ich sofort gemerkt, wenn es einem nicht gut ging, einfach, weil du dir täglich begegnet bist. Auch Ehrlichkeit ist mir wichtig, und eine gute wertschätzende Feedbackkultur – in alle Richtungen.
Du bezeichnest dich ja als Christ. Spielt das für dich eine Rolle im beruflichen Umfeld?
Wir haben vor mehr als 15 Jahren einen Gebetskreis in München gegründet. Das Gebet ist mir sehr wichtig. Für das persönliche Leben und in der Gewissheit, dass es tatsächlich einen lebendigen Gott gibt, mit dem wir reden. Gerade in Momenten, wo ich mit anderen gemeinsam bete, spüre ich Gott, den Heiligen Geist, dass er selbst gegenwärtig ist, dass sich Herzen öffnen und Dinge verändern, oft verbunden mit einem besonderen Frieden und mit Freude. Deshalb liebe ich unseren Gebetskreis. Wir sind ein total bunter Kreis mit verschiedensten Hintergründen, der sich online trifft. Ich bin christlich aufgewachsen. Mit 27, als unser erstes Kind gerade geboren war und ich die Verantwortung für diesen jungen Menschen spürte, bekam die Beziehung zu Gott eine ganz andere Bedeutung. An einem besonderen Abend habe ich entschieden: «OK, ich mach jetzt Ernst mit dem Christsein». Es gab immer wieder schwierige, herausfordernde Zeiten und Krisen in der Familie – von Krankheiten bis Schule und Ausbildung der Kinder. Gerade da habe ich erlebt, dass ich durch meinen Glauben und Beziehung zu Gott einen starken Halt habe.
Was machst du denn so, wenn du nicht arbeitest?
Ich bin verheiratet mit Elina und wir haben vier Kinder zwischen 27 und 17 Jahre. Wir wohnen im Münchner Westen, in Puchheim. Hier gehören wir zu einer christlichen Gemeinde, in der ich auch seit vielen Jahren mitarbeite und Leitungsverantwortung habe. Ich liebe es auch, an unserem Haus zu werkeln, wenn ich die Zeit habe. Da ist immer was zu tun. Außerdem gehe ich seit vielen Jahren sehr gerne mit meiner Frau auf Städtetour davon überzeugt, dass es für die Firma und ihre Abläufe eine wichtige Komponente ist.
Kennst Du RailHope und was ist dir daran wichtig?
Ich schätze die Arbeit von RailHope sehr, ich bin dort auch Mitglied. Ich kann aufgrund meiner vielen anderen Verpflichtungen nicht aktiv mitarbeiten, stelle mich aber bewusst dazu und bin auch gerne bei den Kalenderverteilaktionen mit dabei. Das Gebet ist mir besonders wichtig und ich bin davon überzeugt, dass es für die Firma und ihre Abläufe eine wichtige Komponente ist.
Vielen Dank für das Gespräch!