Tero Meskanen
Pilze gesucht – Gleise gefunden

Denn was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen. (Eph. 2.10)

 

Ein Güterzug mit zwei Loks vom Typ Sr2 unterwegs bei Utajärvi (FIN) |  Foto: Arttu Uusitalo

Es war ein Tag im Spätherbst und wunderschön verfärbte Blätter fielen von den Bäumen. Mein Kollege und ich hatten einen Güterzug von der Stadt Vilppula nach Tampere zu fahren. Es sollte eine besondere Fahrt werden und ich erinnere mich noch heute an diesen Tag aus meinen früheren Jahren als Lokomotivführer bei der finnischen Eisen- bahn. Bereits kurz nach der Abfahrt mussten wir die Lokomotive auf volle Leistung schalten, galt es doch, den ersten der zahlreichen Anstiege auf unserer Strecke zu bezwingen. Um den schweren Zug auf das fahr- planmässig vorgesehene Tempo zu beschleunigen mussten wir uns besonders konzentrieren. Die Geräusche der 16-Zylinder- Motoren unter Volllast erinnerten mich an schweren Orgelklang. Wenn es bergab ging, rollten wir im Leerlauf. Dann war fast nur noch das Schlagen der Radsätze über die Schienenstösse zu hören. Bei höherem Tempo wurden die Geräusche härter. Manchmal achteten wir nur noch auf den Rhythmus der Achsgeräusche und mit etwas Erfahrung konnten wir ohne auf den Tachometer zu schauen die Geschwindigkeit schätzen. In regelmässigen Abständen bereiteten wir uns einen Kaffee – wofür viele Finnische Lokomotiven mit Kaffeemaschinen ausgerüstet sind. Als wir so dahinfuhren, wich das Tageslicht langsam der Dämmerung. Noch einmal lag eine lange Steilstrecke vor uns und die Geschwindigkeit fiel auf 20 bis 30 km/h zurück. Mir kam es vor, als würden wir nur noch im Schneckentempo vorankommen.

Pilze gesucht

Am selben Nachmittag stieg an einer Haltestelle mitten im Wald eine etwa achtzigjährige Dame aus einem Pendelzug. Sie hatte sich daran erinnert, dass in der Nähe besonders viele Pilze wuchsen. Am Abend würde sie dort wieder einsteigen, um heimzufahren. Tatsächlich fand sie viele Pilze, die sie eifrig in ihre Taschen sammelte. So vergingen mehrere Stunden. Schliesslich machte sie sich auf den Weg zurück zur Bahnhaltestelle. Dabei verlor sie die Orientierung und irrte eine ganze Weile hilflos durch den Wald. Schon wurde es dunkel. Auf einmal spürte sie einen Schmerz in ihrer Brust. Ihre Herzprobleme machten sich bemerkbar. Glücklicherweise hatte sie ihr Medikament dabei und konnte es einnehmen.

Gleise gefunden

Ich bin überzeugt, dass die Frau einige Stossgebete zu Gott sandte, denn ihr musste bewusst gewesen sein, dass sie eine Nacht im Wald ohne Hilfe nicht überleben würde. Mit den Taschen voller Pilze suchte sie im unbekannten Gelände bei schwindendem Tageslicht verzweifelt weiter nach dem Heimweg. Plötzlich schimmerten zwischen den Bäumen Geleise durch. Doch die Haltestelle war weit und breit nicht zu sehen, abgesehen davon, dass der Zug, den sie nehmen wollte, längst vorbeigefahren sein musste. Trotzdem war sie voller Hoffnung, dass schon irgendein Zug für sie anhalten würde, schliesslich war sie als Ehefrau eines pensionierten Dampflokführers mit der Eisenbahn vertraut.

Eine ganze Weile nachdem die Frau auf die Geleise ge- stossen war, die Hoffnung auf Rettung verhießen, kroch unser Zug ganz lang- sam den Berg hinauf. Als Christ habe ich mich schon oft in Situationen befunden, in denen mich Gott im richtigen Moment an den richtigen Ort und zu bestimmten Personen geführt hatte. Als wäre es geplant gewesen, stand die alte Frau nun an diesem steilen Strecken- abschnitt, auf dem unser Zug nur mühsam vorankam, und so konnte ich sie in der Dämmerung neben den Geleisen erkennen. Sie machte mit der Hand Zeichen, dass wir anhalten sollten und sie zeigte zu- dem immer wieder auf ihre Brust. Ich ahnte, dass sie Herzprobleme haben müsste. Sofort leiteten wir eine Bremsung ein. Trotz unseres Schneckentempos kam der Zug 50m später zum Stehen. Nun gab sie uns mit Zeichen zu verstehen, dass wir rückwärtsfahren sollten. Als die Lokomotive schliesslich auf ihrer Höhe stand, zogen wir die Dame mit vereinten Kräften in den Führerstand hinauf. Nun erfuhren wir von ihr, dass sie sich nicht nur im Wald verirrt hatte und an Herzproblemen litt, sondern auch noch, dass sie taub war.

Was tun?

Alsbald setzten wir unsere Fahrt mit dem schweren Güterzug fort. Sogleich nahm ich das Funktelefon zur Hand um eine Ambulanz zum 20 Kilometer entfernten nächsten Bahnhof zu rufen. Es gelang aber nicht, eine Verbindung zur Leitstelle aufzubauen. Was sollten wir tun? Nach erfolgter Rettung aus dem einsamen Wald legte sich die Aufregung und die Frau erholte sich während der Fahrt zusehends. Mein Kollege und ich beschlossen das Risiko einzugehen und die Frau an dem Bahnhof herauszulassen, an dem sie eingestiegen war. So übergaben wir sie nach 35 Minuten Fahrzeit der Obhut des Stationsvorstehers.

Mit Jesus unterwegs

Wer weiss, was geschehen wäre, wenn wir nicht zur richtigen Zeit an den richtigen Ort geführt worden wären. Bestimmt spricht die Bibel in Epheser 2 Vers 10 von Erlebnissen wie die-sem: «Denn wir sind Gottes Schöpfung. Er hat uns in Jesus Christus neu geschaffen, damit wir zu guten Taten fähig sind, wie er es für unser Leben schon immer vorgesehen hat.» (Übersetzung Neues Leben) Diese Begebenheit zeigt uns, dass es echte «RailHope» – «Eisenbahnhoffnung» – gibt, wenn wir mit Jesus Christus unterwegs sind.

Ich ermutige euch alle, in enger Beziehung mit Jesus Christus zu leben!

Tero Meskanen führt einen Neigezug „Allegro“ (Sm6) von Helsinki (FIN) in Richtung St. Petersburg (RUS) 


   
Tero Meskanen

Land: Finnland

Arbeitet bei: VR-Yhtymä Oy (Finnische Staatsbahn)

Beruf: Lokführer

Besucht den RailHope-Treffpunkt in: —–

Funktion bei Railhope: Mitglied

Thema: Mit Gott erlebt!

Und Du?

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